Hulda Clark
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Dr. Hulda Regehr Clark studierte nach Angaben der Dr. Clark Research Association im californischen San Diego Biologie an der kanadischen Universität von Saskatchewan und schloss mit dem Diplom der Künste und dem höheren Diplom der Künste ab. Danach soll sie zwei Studienjahre an der McGill-Universität verbracht haben und daraufhin an der Universität von Minnesota Biophysik und Zellphysiologie studiert haben. 1958 soll sie im Bereich Zellphysiologie promoviert haben. Eine humanmedizinische Ausbildung hat Hulda Clark aber nicht aufzuweisen. Ihren eigenen Angaben zufolge hat Clark jedoch an einer naturopathischen Fakultät einen Abschluss absolviert - was auf deutsche Verhältnisse übertragen in etwa dem Ausbildungsniveau eines Heilpraktikers entspricht. Solche Abschlüsse werden nur in wenigen Staaten der USA angeboten (vgl. auch Kochsalztherapie nach Desnizza). Absolventen solcher nichtstaatlichen Privatausbildungsstätten sind nur in wenigen Staaten der USA als Therapeuten zugelassen.
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Die Entwicklung des Clark'schen Zappers
Frau Clark, die 1979 aus freien Stücken die staatliche Forschungslandschaft verlassen haben soll, entdeckte Anfang der 90iger Jahre eine Technik, die es ihr angeblich ermöglicht haben soll, die Ursache von Krebs, HIV oder AIDS auf einen schlichten Erreger zurückzuführen. Alle Krankheiten seien nämlich gleich und sie alle seien von einem Parasiten mit Namen Fasciolopsis buski erzeugt. Würde man diesen Erreger identifizieren und therapieren, so sei man geheilt. Als Diagnosemittel pries Clark ein Synchrometer an und als Therapeutikum einen sog. Zapper. Bevor man sich dieser Idee Frau Clarks nähert, sollte man sich erst einmal über diesen Erreger informieren.
Was ist Fasciolopsis buski?
Fasciolopsis buski - auch großer Darmegel genannt - gehört zur Klasse Helminthen (Egel). Im ausgewachsenen Zustand hat der im Dünndarm des Menschen oder Hausschweins heimische Egel eine Länge von 30-75 mm. Er birgt mehrere tausend Eier (Durchmesser 90-140 Mikrometer) in seinem Inneren, die er über den Stuhl in die Umwelt entlässt. Es handelt sich bei Fasciolopsis buski um den mit deutlichem Abstand größten Darmegel, der den Menschen befallen kann. Die eiererzeugende Endform ist das Egelstadium, das im Endwirt (hier: Mensch) erreicht wird. Hier nistet sich F. buski im Bereich des Dünndarms ein, in dem er sich an dessen Oberfläche festsaugt. Dadurch wird die Dünndarmschleimhaut beschädigt und es kommt zu lokalen Gewebesnekrosen und Ulzerationen bis hin zu ausgeprägten Abzessen. Der Darmparasit bewirkt dadurch Durchfall und Erbrechen. Typisch sind vor allem morgendliche Bauchschmerzen. Ist der Darm sehr stark mit Egeln befallen, kann es zur Entwicklung ausgeprägter Ödeme im Darmbereich kommen und auch ein Verstopfen des Darmes (Ileusbildung) ist möglich. Stoffwechselprodukte, die der Egel in seine Umgebung abgibt, können durch die Darmwand aufgenommen werden und beim Betroffenen eine generelle Leukozytose, Anämie und Eosinophilie erzeugen. Wird der Patient medikamentös therapiert und der Egel aus dem Darmbereich eliminiert, sind alle Symptome vollständig rückbildungsfähig. Wirksame Medikamente gegen F. buski sind Hexylresorcin, Crystoide, Bithionol (Jawetz et al. 1980) bzw. Praziquantel (Bogitsh und Cheng 1998)
Der Lebenszyklus von F. buski ist sehr komplex. Scheidet der Endwirt die Eier über den Stuhl aus, so müssen diese Eier in Gewässer gelangen, um sich in ein Miracidium-Stadium umzuwandeln. Überlebenswichtig sind in diesem Stadium Wasserschnecken, die dem Egel als Zwischenwirt dienen. In den Schnecken wandeln sich die Erreger aus Sporocyten in schwimmfähige und begeißelte Cercaria um, die sich an Wasserpflanzen heften, die dann wiederum als Metacercaria in die menschliche Nahrungskette gelangen. Um den gesamten Kreislauf vom Ei bis zum vermehrungsfähigen Erwachsenentier im Dünndarm des Menschen einmal zu durchlaufen, benötigt F. buski nur 9-13 Wochen. Man kann den Infektionskreislauf dadurch unterbrechen, daß man Wasserpflanzen vor dem Verzehr abkocht oder vollständig trocknet, da nur so Metacercaria abgetötet wird.
Da die als Zwischenwirte dienenden Wasserschnecken nur in tropischen oder heißen Gefilden heimisch sind, ist F. buski auch nur in einem relativ eingeengten Bereich der Erde gehäuft anzutreffen. Er ist primär in Süd- und Südostasien beheimatet, wobei er besonders in China, Thailand, Teilen von Indonesien, Malaysia und Indien vorkommt. In diesen Ländern dienen dem Wurm neben Hausschweinen auch Hunde und Kaninchen als Ersatz für die menschlichen Wirte. Aufgrund der globalen Erwärmung ist aber nicht auszuschließen, dass auch in südlich gelegenen Regionen westlicher Industrienationen (z.B. dem Süden der Vereinigten Staaten) sich F. buski ansiedeln kann und - z.B. bei besonders naturverbundenen Rohköstlern, die in Naturparks übernachten und sich mal so richtig mit den Produkten von Mutter Natur versorgen möchten - in den menschlichen Nahrungskreislauf gelangen.
Fasciolopsis hepaticus
F. hepaticus stammt aus der gleichen Egel-Familie wie F. buski und gelangt auf gleiche Weise (nämlich als Metacercaria über Wasserpflanzenfrüchte) in die Nahrungskette. Allerdings ist er deutlich kleiner (20-30 mm) und seine Larven durchbohren aktiv die Darmwand, um sich im Körperinneren (und zwar bevorzugt in der Leber) anzusiedeln. Da von diesem großen Leberegel auch Schafe befallen werden können, ist F. hepaticus vorwiegend in Schafzuchtgebieten vorhanden, befällt aber als Endwirte auch Kühe oder Pferde und scheut auch nicht vor dem Gallenwegssystem des Menschen zurück. Seinen vollständigen Lebenszyklus kann F. hepaticus ebenfalls in 13 Wochen durchlaufen und auch seine Metacercaria-Stadien können durch Abkochen oder Trocknen getötet werden (Melhorn 1988).
Vom Egel zum angeblichen Superkiller
Glaubt man der Homepage des Schweizer Scientologen Amrein (s.u.), so ist Fasciolopsis buski nicht nur der Ursprung von HIV, sondern erzeugt auch Colitis, Morbus Crohn, Darmreizungssymptome und - sobald er in die Thymusdrüse eindringe - auch AIDS. Wenn man weiß, dass nur Fasciolopsis hepaticus in der Lage ist, in den Körper zu infiltrieren und dabei primär die Leber zum Ziel hat, ist klar, dass hier nichts richtig ist. Fakt ist, dass Fasciolopsis buski sich primär im Darm aufhält und (wegen seiner Abfallprodukte, die er abgibt) auch Symptome im menschlichen Organismus erzeugen kann. Dies bedeutet aber nicht, dass er in den Organismus eindringt oder sich gar in der Thymusdrüse festsetzen würde. Das würde einem Wurm, der bis zu 7,5 cm groß wäre, unbemerkt kaum gelingen.
Was macht Clark mit dem Zapper?
Der Zapper ist ein kleines Kästchen mit einer 9V-Batterie, das auf der Außenseite einen kleinen Schalter hat und außerdem zwei Handelektroden aufweist. Behauptet wird, dass man damit F. buski eliminieren und andere Gifte, die im Körper seien, weglöschen könne. Dies sei möglich, weil man mit dem erzeugten Strom selektiv F. buski abtöten könne ohne umgebenes Gewebe zu schädigen. Dieses Vorgehen erinnert an typische, aus der Scientologenszene stammende, Begründungen über die Wirksamkeit der Bioresonanz.
Tatsache ist, dass man F. buski und seine Larven ohne Probleme lichtmikroskopisch im Stuhl von Infizierten nachweisen kann. Man kann den Erreger auch mit entsprechenden Medikamenten eliminieren. Mit Strom aus der Taschenbatterie gelingt dergleichen nicht.
Hulda Clark verlangt hohe Preise
Stephen Barrett berichtet auf seiner Homepage über eine Klinik, die Hulda Clark im mexikanischen Tijuana eingerichtet hat. Tijuana ist für amerikanische und kanadische Alternativtherapeuten ein ausgesprochen beliebtes Ziel, denn sowohl die Regierung als auch die Judikative und Legislative des Landes sind der Korruption gegenüber ausgesprochen empfänglich ist. In Tijuana gibt es Vitaminpropagandisten, Bioresonanzler, Laetrile- und Haifischknorpel-Therapeuten und viele andere Anbieter auf der Suche nach verzweifelten Krebs- oder HIV/AIDS-Patienten.
In Hulda Clarks Century Nutrition-Klinik bezahlt man für zwei Wochen Behandlung ca. 4.500 Euro zuzüglich 10% Steuern, wobei Unterbringung (ca. Euro 225/Woche), Mahlzeiten (ca. Euro 250/Woche), Bluttests (ca. 70 Euro pro Test), bildgebende Untersuchungsverfahren (40-400 Euro pro Verfahren) und andere Dienstleistungen noch zusätzlich zu bezahlen sind. In einem Fallbericht, den eine Leandra Smith anläßlich eines Aufenthaltes in der Clark'schen Klinik in Tijuana verfasste, ist von chaotischen Zuständen in der Klinik, miserabler Hygiene und ebenfalls heftigen Kostenforderungen die Rede. Alleine für das Vortragen eines Behandlungsplanes sollte Smith umgerechnet ca. 150 Euro bezahlen.
Hulda Clarks Ärger mit der US-Justiz
Die therapeutische Entwicklung der Hulda Clark kolliedert in manchen Regionen dieser Erde mit dem Rechtstaat. In Australien musste eine den Zapper vermarkende Firma den Vertrieb auf richterliche Anordnung wegen Betrugsverdachts einstellen. Der Australien Competition and Consumer Comission war nämlich die Vermarktung der Raylight Pty Ltd unter Führung eines Herbert Nathan aufgefallen, die im Internet einen schwunghaften Zapper-Handel (Vital Silver 2000 und Vital Silver 3000 Zapper) iniziiert hatte. Der Federal Court wurde informiert und gebeten, sowohl die Homepage als auch die sonstige Werbung der Firma einstellen zu lassen. Im November 1999 waren auch Ermittlungen gegen eine weitere australische Firma, Vital Earth Company Pty Limited und deren Direktor Darryl John Jones, im Gange, die ebenfalls Zapper (Vital Silver 2000 Automatic, Vital Silver 2000 und Vital Silver 3000) vermarktet hatten.
Hulda Clark geriet aufgrund ihrer illegalen Tätigkeit als Therapeutin in den USA mit dem Gesetz in Konflikt. Sie hatte im August 1993 - ohne eine ärztliche Berufszulassung zu besitzen - in Indiana/USA Patienten behandelt und war nach verdeckten Ermittlungen der Staatsanwaltschaft aufgeflogen. Da Hulda Clark ein Strafmaß zwischen 2-8 Jahren drohte, setzte sie sich damals ab. In der Folge schrieb sie drei Bücher (The Cure for all Cancers, The Cure for HIV und The Cure for AIDS), die u.a. auch im Internet angeboten wurden. Zwischenzeitlich wurde Hulda Clark auch in Tijuana (s.o.) aktiv. Da Hulda Clark offenbar nicht mit internationalem Haftbefehl gesucht wurde, schien sie wieder etwas aktiver zu werden und reiste 1999 in die USA zurück. Am 20. September 1999 wurde sie in San Diego (Californien) festgenommen, weil sie hier einmal mehr ohne ärztliche Berufserlaubnis therapeutischen Handlungen nachging. Indiana forderte erfolgreich ihre Überführung wegen des früheren Deliktes und setzte Clark gegen eine Kaution von $ 10.000 bis zum Prozessbeginn auf freien Fuß. Sie lebte daraufhin in der Nähe von Bloomington. Ihr Unterstützer-Umfeld versuchten durch E-Mails oder Briefaktionen vor Prozessbeginn ein für Hulda Clark positives Medienecho zu erreichen. Pikanterweise wurde Hulda Clark kein Prozess mehr gemacht, da der vorsitzende Richter die Auffassung vertrat, dass zwischen Clarks Taten und ihrer Verhaftung zu viel Zeit verstrichen sei. Somit wurde der Prozess wegen Verjährung eingestellt. Diesen Erfolg machte sich u.a. auch im deutschen Usenet und in deutschen Web-Foren bemerkbar, wo entsprechende Postings bzw. Meinungsäußerungen veröffentlicht wurden.
Im US-amerikanischen Usenet schlugen die Wellen aber offensichtlich höher. Der US-Paramedizinkritiker Stephen Barrett, der zur Festnahme von Clark nicht unerheblich beigetragen hatte, wurde Ziel einer Verleumdungskampagne der Clark'schen Szene. Diese Attacken häuften sich dermassen, dass Barrett und andere Frau Clark wegen übler Nachrede auf mehrere Millionen Dollar Schadensersatz verklagten.
In den letzten Jahren stieg im Usenet und Internet die Präsenz von Web-Seiten und Akteuren, die Clark'sche Zappper angepriesen. Nicht selten wird den Geräten reisserisch eine heilende Wirkung unterstellt.
In der Schweiz wurden mittlerweile der Verkauf des Hulda Clark'schen Zappers untersagt, da er gegen die dortigen Bestimmungen des schweizerischen Medizinprodukterechts verstößt.
- Quellenverzeichnis Bogitsh BJ, Cheng TC: Human Parasitology. Academic Press, 2nd. Ed., 218-220, 1998
- Jawetz E, Melnick JL, Adelberg EA: Medizinische Mikrobiologie. Springer Verlag, Heidelberg 5. Aufl., 730-731, 1980
- Mehlhorn H. (Hrsg.): Parasitology in Focus. Facts and Trends. Springer Verlag, Heidelberg, S.59, 1988