Müsli

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Müsli (in der Schweiz Müesli, Müsli mit langem ü bedeutet dort „Mäuslein“) ist eine Zubereitung aus Haferflocken und anderen Produkten auf Getreidebasis und Obst, die mit Milch, Joghurt oder Fruchtsaft meist zum Frühstück gegessen wird. In der Schweiz wird Müsli eher als leichte Mahlzeit zum Abendessen als zum Frühstück gegessen. Es handelt sich wohl um das mit Abstand erfolgreichste Gericht der Rohkostbewegung.

Inhaltsverzeichnis

Ursprung

Das ursprüngliche Birchermues und wurde um 1900[1] vom Aargauer Arzt und Ernährungsreformer Maximilian Oskar Bircher-Benner entwickelt. Der Gründer des Sanatoriums „Lebendige Kraft“ am Zürichberg nannte seine Kreation Apfeldiätspeise, oder einfach d Spys (Schweizerdeutsch ‚die Speise‘). Ab 1902 versuchte er den Gästen in seinem Zürcher Sanatorium auf diese Weise eine Vollwertdiät mit frischem Obst näherzubringen. Bircher-Benner hatte das Mus angeblich nicht eigenständig entwickelt, sondern will dieses „recht seltsame Essen“ auf einer Bergwanderung in den Alpen entdeckt haben, als ihn eine Sennerin mit einer Rohkostmahlzeit bewirtet hatte: aus Haferflocken, Äpfeln, Nüssen, Zitronensaft und gezuckerter Kondensmilch. Bircher-Benner war überzeugt, dass unbearbeitete pflanzliche Rohkost, wie sie für ein Müsli verwendet wird, „biologisch wirksame Lichtquanten“ enthält, aus denen der Körper „Lebenskraft“ gewinnen kann – eine für die Rohkostbewegung typische vitalistische Hypothese, die schon damals lange nicht mehr mit dem Stand der Forschung vereinbar war (siehe auch Biophotonen).

Bircher-Benner gilt als eigentlicher Pionier der Vollwerternährung. Als überzeugten Vertreter einer vegetarischen Rohkosternährung waren für Bircher-Benner die mit Schale und Kerngehäuse frisch geriebenen Äpfel das Wichtigste, nicht etwa die Getreideflocken. Kondensmilch verwendete er, weil Frischmilch, zu seiner Zeit unpasteurisiert, ein hohes Tuberkulose-Risiko darstellte. Inzwischen haben sich auch die Herstellungsverfahren für Haferflocken verbessert. Die heute erhältlichen feinen Flocken müssen nur noch kurz eingeweicht werden.

Das Originalrezept nach Bircher-Benner

Für eine Portion:

Verbreitung

Der Ernährungsreformer Bircher hielt zahlreiche Vorträge über Rohkosternährung und unterließ es auch nicht, seine Apfeldiätspeise zu preisen. Zu einem ersten Durchbruch und erster Bekanntheit im deutschsprachigen Raum verhalfen dem Birchermus die unzähligen Kochbücher und Schriften von Mitgliedern der Bircher-Familie. Bereits in den 1920er-Jahren stand die Apfelspeise auf der Speisekarte von vegetarischen Restaurants.[2] Heute finden sich die Müsli auch in der Schweizer Gastronomie überwiegend, oft stark gesüßt und reichlich mit Schlagrahm garniert, auf der Dessertkarte. Richtig populär wurde das Birchermus vorerst nur in der Schweiz. Ab den 1940er- und 1950er-Jahren wurde das Birchermus regelmäßig zum Abendessen eingenommen. Auch in den Küchen von Gefängnissen, Heimen, Klöstern und des Militärs stand es regelmäßig auf dem Menüplan.

Mit der Popularität wichen die Rezepte schon bald vom Original ab. An Stelle der Haferflocken traten zunehmend die schon seit den frühen 1940er-Jahren industriell hergestellten Trockenmischungen. Kondensmilch wird durch Joghurt, Milch oder Rahm (Sahne) ersetzt.

Ende der 1960er-Jahre schaffte das Müsli dank der Umweltbewegung seinen weltweiten Durchbruch. 1985 versuchte Kellogg's, den Markennamen Müsli schützen zu lassen. Dieses Begehren scheitert an einem acht Jahre älteren Eintrag in Deutschland. Als Kompromiss wurden Müslix und Müeslix eingetragen.

Erweiterter Sprachgebrauch und Kulturelles

Im Englischen wird „Musli“ mit Mixture assoziiert.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Albert Wirz Doktor Birchers neue Weltordnung. Das Müesli als Stabilitätsfaktor NZZ Folio 04/97
  2. http://www.europeanvegetarian.org/evu/german/news/news982/restaurant.html Geschichte Hiltl, Zürich
  3. http://zwicky.ch/en/unternehmen-e/meilensteine/ Zwicky: Meilensteine
  4. http://www.bio-familia.com/de/unternehmen/geschichte.html Geschichte der bio-familia AG
  5. http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/13/107/1310752.pdf
  6. Songtext auf der BAP-Homepage: http://www.bap.de/musik_songtexte_popup.php?id=200
  7. Gerd Leienbach auf radiopedia.de
  8. University of Bristol: ALSPAC The Avon Longitudinal Study of Parents and Children Projekt No Evidence Of `Muesli-Belt Malnutrition' In British Toddlers 7. März 2002
  9. http://www.irishwriters-online.com/jimmymurphy.html The Muesli Belt by Jimmy Murphy
  10. Heinz Bächinger: Die Siedlung Stadtrain, Birchermüesli-Quartier
  11. http://www.holzbaubuero.ch/referenzen/siedlungStadtrainWinterthur/wohnen_09_2009.pdf Hohe Wohnqualität in historischer Arbeitersiedlung
[…]
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