Peter Singer

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Peter Singer ist Professor für Bioethik an der Princeton-University. Mit seinem Werk "Animal Liberation: A New Ethics for our Treatment of Animals" hat er 1975 die 'Bibel' der Tierrechtler vorgelegt. Er vertritt einen Präferenzutilitarismus, nach dem gleiche Interessen (Präferenzen) gleich berücksichtigt werden müssen, und bezieht dabei auch Tiere in die Abwägung der Interessen mit ein.

In Deutschland, aber auch international ist er vor allem wegen seiner Rechtfertigung des Infantizides bei schwer behinderten Säuglingen berühmt und berüchtigt geworden.

Inhaltsverzeichnis

Die Befreiung der Tiere

Sein 1975 in englischer Sprache erschienenes Buch Animal Liberation gilt als Grundstein der zeitgenössischen Diskussion über den moralischen Status von Tieren in der Tierrechtsbewegung; gemeinsam mit Tom Regan gilt Singer daher als Begründer der modernen Tierethik. In diesem Buch beschreibt er das Phänomen des Speziesismus, der Diskriminierung oder Ausbeutung von Tierarten aufgrund eines angenommenen Vorranges der Spezies Mensch. Singer stellt in diesem Buch die These auf, dass die Zugehörigkeit zu einer Spezies keine moralische Relevanz für die Berücksichtigung der Interessen besitzt. Einziges Kriterium für die Berücksichtigung sei die Fähigkeit Interessen zu besitzen, welche Singer in Anlehnung an Jeremy Bentham mit der Eigenschaft Schmerz empfinden zu können gleichsetzt. Insbesondere bei Säugetieren und Vögeln gibt es seiner Ansicht nach eindeutige Hinweise darauf, dass diese Tiere Schmerz empfinden können.[1]

In der Praxis äußert sich eine solche Moral in erster Linie in dem Boykott von Produkten aus nahezu allen Formen der Tierhaltung, insbesondere aber der Massentierhaltung (zum Beispiel durch Vegetarismus oder Veganismus). Des Weiteren steht der Nutzen vieler Tierversuche in keinem vernünftigen Verhältnis zu dem in Kauf genommenen Leid der Tiere. Singer lehnt daher Tierversuche zu großen Teilen ab, räumt aber ein, dass es ethisch gerechtfertigte Versuche geben könnte, wenn als Resultat dieser mehr Leid verhindert als durch die Versuche selbst entstehen würde.

Zu der Frage, in welchen Fällen das Töten von Tieren moralisch verwerflich ist, äußert sich Singer in Animal Liberation – Die Befreiung der Tiere kaum. Er begründet dies mit der vergleichsweise hohen Komplexität dieser Fragestellung und verweist darauf, dass schon allein der Schmerz der Tiere in der modernen Gesellschaft eine umfassende Änderung des Verhaltens gegenüber Tieren verlangt. Die Tötungsfrage und der damit verbundene Wert des Lebens wird in seinem Buch "Praktische Ethik" ausführlich erörtert. Ein unter Tierrechtlern kritisierter Punkt Singers Tierethik ist das Ersetzbarkeit-Argument, das bestimmte Tiere als ersetzbare „Glücksbehälter“ auffasst. Auch dieses Thema wird in der Praktischen Ethik behandelt.

Praktische Ethik

In seinem Buch Praktische Ethik bezieht Peter Singer noch deutlicher Stellung und arbeitet eine utilitaristische Position (Präferenzutilitarismus) auf verschiedenen Gebieten der angewandten Ethik aus. Singer erklärt das Prinzip der gleichen Interessenabwägung, das Gleichheit nicht auf gleiche Behandlung, sondern auf gleiche Berücksichtigung der Interessen stützt. Es gibt für ihn keine moralische Rechtfertigung für die Nicht-Berücksichtigung von Interessen. Da Singer als Bedingung für Interessen die Fähigkeit Schmerz und Glück empfinden zu können festlegt, haben auch Tiere (die diese Fähigkeiten besitzen) Interessen, die bei Entscheidungen mit berücksichtigt werden müssen.

Singer misst der biologischen Zugehörigkeit eines Wesens zur menschlichen Spezies keine moralische Relevanz bei, sondern Eigenschaften wie Schmerzempfinden und Selbstbewusstsein (welche bei manchen biologischen Menschen fehlen und andererseits bei manchen nichtmenschlichen Tieren vorhanden sind). Die Bevorzugung einiger Gruppen oder Individuen auf Grund deren Spezieszugehörigkeit bezeichnet er als Speziesismus.

Somit hängt die Verwerflichkeit des Tötens anderer Lebewesen von deren individuellen Eigenschaften ab. Die Tötung eines anderen Lebewesens verstoße im Allgemeinen gegen das Interesse des Lebewesens, weiterleben zu wollen und sei daher Unrecht. Personen, also Wesen, die sich ihrer selbst, in einem zeitlichen Kontinuum bewusst sind, hätten dagegen zusätzlich einen „besonderen Wert“.

Peter Singer äußert sich in dem Buch auch über Schwangerschaftsabbrüche, Tötung von Neugeborenen und Sterbehilfe. Weitere Themen sind die Armut in der Welt, die Asylproblematik und die Umwelt. Singer legt auch seine Ansichten über Ethik, legitime Zwecke und Mittel sowie die Frage „Warum moralisch handeln?“ dar.

Kritik

Singers ethische Position wird von vielen utilitaristischen Ethikern geteilt, besonders bekannt ist er jedoch wegen der expliziten Darstellung der sich ergebenden, teilweise drastischen, Schlussfolgerungen. Seine Ansichten sind u.a. von Theologen und Interessenvertretern von Menschen mit Behinderung scharf kritisiert worden.

Es wird von Behindertenorganisationen befürchtet, es werde einer Mentalität (politischer) Raum und mitunter schließlich rechtliche Legitimation gegeben, die letztlich gesellschaftliche Einstellungen zu Menschen mit Behinderung hervorrufen könne, welche in der Vergangenheit die nationalsozialistischen Euthanasieprogramme möglich werden ließen. An deutschen Universitäten wurden darum Veranstaltungen, die Singers Thesen zum Gegenstand der philosophischen Diskussion machen wollten, gestört, verhindert und die Veranstalter bedroht[2]. Singer argumentiert, dass Eltern zusammen mit den zuständigen Ärzten über das Weiterleben eines Säuglings entscheiden sollten, der an einer unheilbaren Krankheit wie Anenzephalie leidet und dessen Leben daher niemals auch nur minimale Befriedigung erfahren wird. Das Lebensrecht von erwachsenen behinderten Personen zweifelt er nicht an.

Erhitzte Kontroversen, wie sie anfangs in Deutschland üblich waren, führt Singer selbst auf aus dem Zusammenhang gerissene Zitate und ein mangelndes Gesamtverständnis seiner Thesen zurück. In Writings on an Ethical Life hat er daher versucht, seine Ansichten knapp zusammenzufassen. Außerdem führt er die Angriffe auf seine Person und Thesen auch darauf zurück, dass bestimmte normative Vorgaben für seine Kritiker nicht in Frage zu stellen seien, etwa solche, welche sich aus religiösen Überzeugungen speisen, beispielsweise, wenn Menschen, nicht aber Tieren eine Seele zugesprochen wird.

Unklar bleibt für einige Kritiker der Status nicht artikulierter oder später erst artikulierbarer Interessen. Auch Singer selbst stimmt zu, dass auch einer schlafenden Person Interessen zuzuschreiben und diese in ethische Abwägungen einzubeziehen seien – da die betreffende Person sie nach dem Aufwachen wieder artikulieren würde. Letzteres würde etwa für komatöse Individuen nicht der Fall sein – wie steht es aber beispielsweise mit Embryonen? Ethiker wie Don Marqius versuchen auch hier – gegen Singer – zu begründen, dass Interessen zuzuschreiben und zu schützen sind. Ein weiterer Problemfall sind beispielsweise Interessen, welche mangels besserer Einsicht oder Unfreiheit des Willens nicht artikuliert werden können, etwa von Drogenabhängigen oder bei zeitweisen Suizidwünschen. Auch hier könnte den Betreffenden ein schützenswertes Interesse etwa an der Unversehrtheit des eigenen Lebens zugeschrieben werden.

Singers 2009 erschienenes Buch The Life You Can Save wurde seitens William Easterly aufgrund der fehlerhaften Metapher des ertrinkenden Kindes und Singers Fokus auf den Geberaspekt der Entwicklungshilfe kritisiert.[3]


Zitate

Manche Angehörigen anderer Gattungen sind Personen; manche Angehörigen unserer eigenen Spezies sind es nicht. Keine objektive Beurteilung kann den Standpunkt unterstützen, daß es immer schlimmer ist, Mitglieder unserer eigenen Spezies, die keine Personen sind, zu töten, als Mitglieder anderer Spezies, die es sind.

Werke

Literatur

Online verfügbar

Quellen

  1. Animal Liberation. Die Befreiung der Tiere, zweite Auflage, Rowohlt Verlag 1996: S. 41
  2. Anstötz 1995
  3. ‘Tis the Season To Be Giving? Diskussion zwischen Peter Singer und William Easterly über Singers Buch und Entwicklungshilfe.

Weblinks

Kritische Webseiten

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