Urkost
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Unter der Urkost versteht man die Ernährungslehre des Steuerexperten Franz Konz. Wie der Name schon andeutet, soll die Urkost dem modernen Menschen die ursprüngliche Ernährungs- und Lebensweise seiner Vorfahren vermitteln, die angeblich roh-vegan mit vielen Wildkräutern und frei von Krankheit und Gebrechen gewesen sind. Die Urkost führt sämtliche Krankheiten auf eine falsche Ernährung sowie falsches Verhalten zurück, Hauptbestandteile der Nahrung sollten baumgereiftes Obst, frisches Gemüse und wilde Grünpflanzen und Wildkräuter sein. Sämtliche Nahrungsmittel tierischen Ursprungs wie Fleisch , Milch etc. gelten als nicht artgerecht, gekochte oder anderweitig erhitzte Lebensmittel werden abgelehnt, da diese als denaturiert angesehen werden. Eine ähnliche, noch striktere Ernährungsweise befolgen die Fructarier.
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Urkost als Weltbild
Die Urkost wird vor allem vom Bund für Gesundheit e.V. propagiert, Hauptgrundlage ist der von Franz Konz herausgegebene Große Gesundheits-Konz, kurz GGK. Der GGK bietet mit der Urkost nicht nur eine Ernährungslehre, sondern ein abgeschlossenes Weltbild an. Von der Impf- und Ärztekritik ("Weißkittelmafia") über Verschwörungstheorien wie Chemtrails und einem neuen Verständnis der im menschlichen Körper ablaufenden Prozesse der Nahrungsverwertung ("Entgiftung") sowie einer Bewegungslehre ("Ur-Training") wird alles aufgeboten. Wer den GGK aufschlägt, der findet, so versprechen es die Urköstler, den Weg zu einem langen, krankheits- und beschwerdefreien Leben und Verhaltensregeln für jede Lebenslage.
So teilt sich die Urmethodik in die durchzuführende Teilbereiche Urkost (also Nahrung), Ursport oder Urtraining inklusive Singen auf. Letzteres ist ein wichtiger Bestandteil der Urlehre, wohl auch aus dem Grund, da sich hier neue Vermarktungsmöglichkeiten aufzeigen. So wurden Kinderlieder aus der Feder von Stephen Janetzko und Brigitte Rondholz vermarktet - ebenso findet sich auf der Homepage des BfG ein Liederbuch für den Urköstler.
Die Urkost erfüllt in Anspruch und Auftreten die Definition der Ideologie. Das wird vor allem durch die von Konz und anderen Urköstlern benutzte Wortwahl in Bezug auf Nicht-Urköstler deutlich: "Schlechtköstler", "Muggel" und "Primitiv-Pack" sind alle, die nicht bereit sind, der Lehre zu folgen. Sowohl der BfG als auch das Urkostforum weisen darüberhinaus deutlich totalitäre Züge auf, wie sie für eine Sekte typisch sind. Im Forum regiert die uneingeschränkte Meinungsmacht von Brigitte Rondholz , Texte die ihr nicht gefallen, werden gelöscht. Kritik an der Urkost, an Konz oder Frau Rondholz wird nicht gern gesehen und entweder gelöscht oder nicht ernst genommen. Quellen außerhalb der Urkost (z.B. wissenschaftliche Studien) werden nur angenommen, wenn ihre Aussagen pro Urkost sind oder eben selektiv zitiert. Contra-Quellen sind per se von der "Pharmamafia" beeinflusst oder sonstwie nicht annehmbar.
Die Aussagen von Pro-Quellen werden dafür umso stärker hervorgehoben. Dabei spielt es keine Rolle, von wem sie stammen, und so finden sich in Brigittes Tagebuch auch Texte von der Scientology nahestehenden Autoren u.a..
UrMedizin als Medizinersatz und Heilversprechen
Auf dem Umschlag des GGK heißt es: UrMedizin gegen Krebs, Rheuma, Fettsucht, Allergie, Herz u.a. chronische Leiden. Weiter heißt es auf der BfG-Homepage: Lassen Sie sich nicht länger von den Ärzten der Schulmedizin mit Chemie vergiften und schädigen! Diese behandeln nur die Krankheitssymptome, aber nicht deren Ursache. Nur mit natürlichen Mitteln können Sie sich für immer heilen! Franz Konz [...] zeigt Ihnen, wie Sie sich mit der von ihm entwickelten "UrMedizin" von Ihren Krankheiten befreien! So sieht Franz Konz die UrMedizin als Behandlungsmethode der Wahl für alle Krankheiten an und diskreditiert im gleichen Atemzug die konventionelle Medizin.
Da körperliche Leiden mit der Urkost nicht auftreten können, und die wissenschaftliche evidenzbasierte Medizin nach der Lehre der Urkost keine Daseinsberechtigung hat, ist die Definition von Krankheit im urköstlichen Weltbild schwer zu fassen. Auch Franz Konz scheint nicht zu wissen wie er dieses Thema vermitteln soll, und schwankt so zwischen kompromissloser Krankheitsleugnung (»Wenn es keine Krankheiten gibt, kann es auch kein Kranksein geben«, sagst Du. Gut aufgepaßt! / Bei der UrTherapie? wird »Krankheit« nicht behandelt. Ihr sind deren bislang ermittelten 40.000 Arten völlig gleichgültig.) und Krankheitspanikmache (Bringt dieser [der Organismus, d. Red.] die Gifte trotz ärztlicher Intervention halbwegs wieder heraus, hast Du Glück gehabt, und es geht weiter. Schafft er es nicht, bleiben sie auf Dauer drin, dann wirst Du nach und nach chronisch krank!). Zudem beschreibt Konz ausführlich Krankheiten wie etwa Krebs oder AIDS, nur um dann festzustellen, daß es AIDS nicht gibt. Kaum einer kann bei einer solchen Wankelmütigkeit das Konzept Urkost noch ernst nehmen.
Als "Entgiftung" werden sämtliche körperlichen Beschwerden bezeichnet, die der Urköstler während seiner Umstellungszeit von der normalen Ernährung zur Urkost feststellt, oft auch noch Jahre danach. Denn laut Konz vergiftet jeder Rückfall in die alten Ernährungsgewohnheiten den Körper erneut, und auch sogenannte "Altlasten" wie Zahnplomben, Füllungen etc. werden als ursächlich angesehen.
Bescheidenheit scheint auch nicht zu den Stärken des Franz Konz zu gehören, denn er schreibt weiter Das Wort Ur Medizin steht als Begriff für eine völlig neue Methodik in der Krankheitsbehandlung, einer Behandlung, die eindeutig im Gegensatz zur Schulmedizin und Homöopathie steht und mit beiden nichts gemeinsam hat. Ur Medizin stellt den Gipfel der alternativen Gesundheitslehre dar. Womit wieder Krankheit als solches zu existieren scheint.
Die Urkost lässt sich wissenschaftlich-medizinisch als Orthorexia nervosa nach Bratman einordnen.
Kosten
Neben den propagierten Wildkräutern muß es zur urkostegerechten Ernährung auch importierte Tropenfrüchte auf den Urkostteller geben. Jedoch werden diese eingeflogen, und stehen damit im krassen Gegensatz zur Urmethodik (welcher Urmensch konnte sich schon auf Bestellungen im Internet mit Flugtransport verlassen), unter anderem auch weil der gemeine Urköstler ein klimaschonender Geselle ist. Hauptsächlich auf diesen Umstand zurückzuführen sind die hohen Kosten, die die Urkost mit sich bringt, denn Tropenfruchtanbieter wie Orkos oder Tropenfrüchte.de lassen sich diesen Service gut bezahlen. Für einen 2 Personen Haushalt sollte man daher 1000 Euro allein für die Nahrung veranschlagen.[1]
Opfer
Daß die Urkost keineswegs eine artegerechte Nahrung für den Menschen darstellt, sondern gesundheitsgefährdend ist, scheint auf der Hand zu liegen. Dennoch begeben sich immer wieder schwerkranke Menschen in die Hände von Rondholz und teilen die von Konz und dem BfG vertretenen Ansichten. Eingeschüchtert und oft unwissend greifen kranke Menschen auch nach den absurdesten Strohhälmen, versprechen diese doch auch in aussichtlosen Situationen Heilung und Gesundheit. Zwar dürfen rein rechtlich in Internetforen keine medizinischen Ratschläge erteilt werden - was im Urkostforum jedoch immer wieder verpackt und durch die Blume passiert. Da die Urmethodik keine medizinsche Behandlung ist, verwundert auch der ausbleibende Behandlungserfolg nicht. So verstarb 2008 trotz praktizierter Urkost die damalige Urkostforum-Userin Susimoya an Krebs. Leon, ein Kind, das von seinen Eltern streng nach der Lehre von Franz Konz ernährt wurde verstarb ebenso.