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Liebe mitlesende Veganer

von Hadit

Liebe Veganer,

vielen Dank für Eure guten Beiträge in den vielen Diskussion. Ihr habt in einem Punkt ganz grundlegend Recht: Studien werden oft mit bestimmten Intentionen veranlasst und hinter ihnen stehen finanzielle Interessen. Ob es objektive Studien gibt, ist eine interessante Streitfrage. Ich bin da ganz bei Euch. Umso mehr wundert es mich, dass Ihr mit Studien argumentiert und diese anführt und damit Eure eigene, durchaus richtige Grundüberlegung selbst ad absurdum führt. Aber gut, hinter dem veganen Lifestyle steht natürlich kein Industriezweig, keine Hochglanzindustrie, keine Restaurantketten. Wie lange kann man sich selbst belügen?

Ich esse gerne Fleisch. Ich sage das nur, um Euch ein weiteres Lesen zu ersparen.

Warum esse ich Fleisch? Weil ich das Recht dazu habe. Warum habe ich das Recht? Weil das Universum, so wie es momentan ist, mir die Möglichkeiten gibt, Fleisch zu essen. Genau wie es Euch die Möglichkeit gibt, Euch pflanzlich zu ernähren. Zwar glaube ich nicht an Gott, aber die Gläubigen unter Euch müssten doch zugeben, dass ein allwissender und allmächtiger Gott, der mir den Fleischkonsum nicht verunmöglicht und mich zudem mit guten Ergebnissen belohnt, mir offensichtlich ebenfalls die Erlaubnis gegeben hat, tierische Produkte zu konsumieren. Seine Schöpfung hat es sogar vorgesehen und den Konsum von Fleisch zum wichtigen Baustein in der menschlichen Evolution gemacht. Großartig, oder? Mit dem gleichen Recht fressen mich übrigens diverse Organismen, während ich in meinem Grab liege.

Ob Ihr moralische Gründe anführt, die gegen meine Position sprechen und für Eure, ist unerheblich, denn das ist die Eigenheit moralischer Gründe, dass sie immer denjenigen, der sie anführt, unterstützen. Das bedeutet, dass Eure Motivation, moralisch zu argumentieren, darin begründet liegt, dass sie Euren Standpunkt stärkt. Und damit ist sie obsolet, weil sie nicht mehr „objektiv“ genannt werden kann. Moralische Argumente, die gegen Euch sprechen, würdet Ihr in diesem Moment nicht anführen. Dass Ihr vielleicht jetzt fragt, welche moralischen Gründe gegen Euch sprechen, zeigt eigentlich nur, dass Ihr Euren Standpunkt nie unabhängig beleuchtet habt und deshalb die Frage, welche moralischen Gründe gegen Eure Position sprechen, nicht beantworten könnt. Anzunehmen, dass es bei all den denkerischen Möglichkeiten des Menschen keine geben würde, wäre abermals naiv.

Hinzu kommt, dass Ihr einerseits den Verzehr von tierischen Produkten strikt ablehnt, andererseits Eure moralische Argumentation auf den Fähigkeiten basiert, die durch den Verzehr tierischer Nahrung erst entstanden sind. Hätte der Mensch kein Fleisch gegessen, wäre sein Gehirn nicht so weit wie heute entwickelt und Ihr könntet vermutlich nicht einmal darüber nachdenken, wie Moral geschrieben wird. Zu den höheren Fähigkeit unseres Gehirns gehört aber auch, Schönheit erfassen zu können. Dazu gehört sowohl die Fähigkeit des Empfindens von Schönheit im Geschmack, was niemand nachvollziehen kann, für den Essen eine reine Zufuhr von Nährstoffen ist, als auch das, was man „das Auge isst mit“ nennt. Ehrlich, wenn ich die Pampe, die manche Menschen veganes Essen nennen, so sehe, also jene Produkte, deren Erscheinung zwischen „Kuhfladen vom Dorf“ und „Frisch gekotzt in Berlin-Friedrichshain“ liegen, scheint Euch von Verständnis von Esskultur (!) völlig zu fehlen. Das betrifft selbst Eure veganen Produkte. Die unterschiedlichen Geschmäcker und Bissfestigkeiten von Gemüsesorten, der Genuss, unterschiedliche zu schmecken, unterschiedlich zu betrachten, selbst das würdigt Ihr nicht einmal bei pflanzlicher Nahrung. Gehe ich mit 3 Tupperdosen zur Arbeit, in einer Bohnen, in der anderen Bananen und in der dritten Broccoli (in der vierten war noch Hähnchen), haut Ihr das in einen Mixer und macht eine Matschpampe draus, die ich nicht einmal meinem zahnlosen Hund geben würde. Was an Gemüsesorten da drin ist, lässt sich weder vom Gefühl noch vom Geschmack her erkennen, aber Hauptsache die Pampe trägt den Namen „Smoothie“.

Euer Glaube an die eine Wahrheit, das eine Universum und die eine statische Realität ist schon witzig. Woah, das klingt esoterisch. Es ist aber ganz einfach, lasst Euch die Welt erklären: Die Welt, wie sie heute existiert, ist die Summe komplexer Faktoren. Jeder Faktor, der gesetzt wird, verändert Abhängigkeiten und konstituiert neue Abhängigkeiten. Bedingungen werden verändert und erzeugen neue Bedingungen. Das bedeutet, die heutige Realität, die wir alle kennen und teilen, ist das Ergebnis vieler verschiedener Faktoren und Bedingungen. Sie ist außerdem die Grundlage weiterer Faktoren und Bedingungen. Unsere gemeinsame Realität, die Welt, ist aber nicht auf ihren jetzigen Zustand statisch festgelegt. Das werdet Ihr sicher auch so sehen, denn sonst würdet Ihr keine Verhaltensänderungen einfordern. Wenn wir Faktoren in dieser Realität verändern, z.b. indem wir alle aufhören würden, Fleisch zu essen, würden sich alle Parameter in diesem Universum verändern. Die Kreisläufe, Ernährung, Industrie, Marketing, einfach alles würde sich verändern. Außerdem würden sich die Bedürfnisse der Menschen verändern. Die Veränderung würde in einer Weise passieren, die niemand vorhersehen kann und Euch selbst fehlt wohl auch die Hellsichtigkeit, um realistisch beurteilen zu können, wie unsere jetzige Gesellschaft und Realität unter neuen Bedingungen aussähe oder welche Bedürfnisse Menschen entwickeln würden. Es ist schon sehr naiv anzunehmen, dass eine Gesellschaft und Welt, die durch völlig neue Bedingungen definiert wird, ausgerechnet deckungsgleich mit Eurer Fiktion der „schönen neuen Welt“ sein muss. Im schlechtesten Fall könnte diese Welt noch schlechter als die heutige sein, noch ungerechter, noch grausamer. Vielleicht nicht gegen Tiere, weil diese nicht mehr leben werden, aber gegen andere Mitgeschöpfe. Ihr könnt nicht mit einer Welt als Alternative argumentieren, die Ihr nicht kennt.

Nicht dass Ihr mich falsch versteht: ich mag Visionäre. Ohne Visionäre wäre die Welt heute eine andere und Visionen sind es, die uns Innovationen bringen. Gute Visionen führen zur Selbstveränderung. Der Mensch wird zu einem Beispiel und inspiriert. So kann Verbesserung anstecken und eine neue Welt realisiert werden. Ganz ohne Zwang. Die ungesunde Weise ist, die eigenen Visionen am anderen Menschen verwirklichen zu wollen. Es ist natürlich bequemer, den Gegenüber in die Pflicht nehmen zu wollen anstatt bei sich selbst anzufangen, aber solche Menschen haben in der Geschichte, sobald sie politische Macht hatten, immer großes Unheil angerichtet.

Es ist übrigens witzig, wie Ihr an Euren Rechnern sitzt, Euch aktiv an der Verschmutzung der Umwelt und der Vernichtung von Lebensräumen für Tieren beteiligt und gleichzeitig argumentiert, dass Verschmutzung der Umwelt und Vernichtung von Lebensräumen moralisch verwerflich ist. Wir nennen das heutzutage ganz einfach: bigott. Mal ganz davon zu schweigen, dass Menschen, die den Verzehr von „Menschenfleisch“ tatsächlich als Alternative zu tierischen Produkten empfehlen (und sei es nur als unreflektierte Reaktion auf die eigene Argumentationsschwäche), das Wort „Moral“ gar nicht in den Mund nehmen sollten, weil sie es nicht verstanden haben. Wer meint, „Tötung“ von Tieren müsse mit „Mord“ gleichgesetzt werden, für den sind wohl auch Menschen nicht mehr wert als Tiere. Und das nennt sich Moral? Wie kann ein Lebewesen, das moralisch empfinden kann, auf einer Stufe mit einem Wesen stehen, das nicht moralisch werten kann? Wenn die Moral so irrelevant ist, warum bestimmt sie Euer ganzes Leben?

Herzlichst, Euer Fleischliebhaber

7 comments to Liebe mitlesende Veganer

  • Hanns-Heinz Schmidt

    Wunderbar argumentiert.

    Danke.

  • Mo

    Hallo zusammen,

    ich habe euch bereits öfter gebeten meinen Namen aus einer Diskussion zu entfernen. Dieser wurde per Copy / Paste von einer Facebookdiskussion eingefügt.
    Könnt Ihr bitte darauf eingehen und mir hier helfen? Leider bekomme ich keine Antwort auf meine Mails und der User, der das ganze seinerzeit gepostet hatte, hatte Euch auch schon um Löschung gebeten (hatte mit ihm via Facebook Kontakt aufgenommen).

    Vielen Dank.
    LG,
    Mo

  • Di

    Jetzt bin ich verwirrt. Kann mir mal wer erklären, wie man „moralfrei“ (denn Moral wird ja im Text als „obsolet“ und subjektiv gezeichnet) und dennoch sachlich richtig darauf kommen kann, dass der Mensch _kein_ Tier sei?

    „Es ist natürlich bequemer, den Gegenüber in die Pflicht nehmen zu wollen anstatt bei sich selbst anzufangen,“
    Veganer/innen *haben* bereits angefangen. Das ist ja der ganze Punkt dabei.

    „Wie kann ein Lebewesen, das moralisch empfinden kann, auf einer Stufe mit einem Wesen stehen, das nicht moralisch werten kann?“

    Widerspruch in der eigenen Argumentation… aber vermutlich ist dir das noch nicht mal beim Tippen aufgefallen, oder?

    „Es ist übrigens witzig, wie Ihr an Euren Rechnern sitzt, Euch aktiv an der Verschmutzung der Umwelt und der Vernichtung von Lebensräumen für Tieren beteiligt und gleichzeitig argumentiert, dass Verschmutzung der Umwelt und Vernichtung von Lebensräumen moralisch verwerflich ist.“

    Da icgh mal ganz frech davon ausgehe, dass der Text oben nicht per Gedankenübertragung auf meinem bösen Bildschirm landete, sondern ebenso in ein elektronisches Gerät eingetippt wurde: ist demnach die Zerstörung von Lebensräumen für dich eine gute Sache?

    Ich höre mal lieber auf mit Fragen – am Ende wäre mein Text noch länger als der ursprüngliche geistige Totalausfall.

  • Jackson Fleischlos

    Hallo,
    Also meine Sicht der Dinge ist folgende: In einer Welt wo man nicht mehr den Überblick hat, woher das Fleisch kommt, solange man nicht die Möglichkeit hätte dem Tier in die Augen zu schauen ist es besser sich vegan zu ernähren. Ausserdem sollte Fleisch was nun einmal erlegt wurden ist, gegessen werden ob Veganer oder nicht! Ich merke das hier sehr gerne die Menschen alle in einen Topf wirst, was eine Sachliche Diskussion sowie Stellungnahme sehr erschweren, wenn man alles und jeden so verallgemeinert.
    Ich glaube du solltest dich weiterhin mit diversern Menschen vernetzen und deine eigene Meinung näher beleuchten und weiterbilden. Ich finde es sehr interessant herrauszufinden wieso ein Mensch denkt wie er denkt und wie er zu seiner jetzigen Meinung gelangt ist. Natürlich nur durch andere Menschen! Abschliessend ein Zitat von Albert Einstein:

    „Es ist schwieriger, eine vorgefasste Meinung zu zertrümmern als ein Atom“

  • Tofutier

    Wow. Das war…schlecht.

  • MrSpeaker

    Lieber Fleischliebhaber.
    Da weiß ich gar nicht wo ich anfangen soll, bei soviel…Blubb. Pseudophilosophisches Geschmarre. Tut mir echt Leid.

    „(…) dass ein allwissender und allmächtiger Gott, der mir den Fleischkonsum nicht verunmöglicht …“
    What? Ist das deine Argumentation? Und was ist mit Folter? Sklaverei? Ausrottung der Elefanten und Nashörner in Afrika? Hat Gott diese Dinge dem Menschen etwa „verunmöglicht“? Und erzielen die Menschen, die dies tun nicht auch „guten Ergebnisse(n)“? Damit sind diese Dinge also alle Rechtens? Na, da wird dir der Gesetzgeber aber was anderes erzählen, aber lass mal.

    „Mit dem gleichen Recht fressen mich übrigens diverse Organismen, während ich in meinem Grab liege.!, ja die haben dich in der Regel aber nicht umgebracht. Davor erst gezüchtet und dann unter widrigsten Umständen fett gefüttert.

    “ Hätte der Mensch kein Fleisch gegessen, wäre sein Gehirn nicht so weit wie heute entwickelt und Ihr könntet vermutlich nicht einmal darüber nachdenken, wie Moral geschrieben wird.“
    Zusammenhangloses nachplappern von „irgendwo schon mal gehört“.
    Ich bitte dringend um Quellenangaben, die diese These belegen. Das menschliche Gehirn, hat sich aufgrund vieler vieler Faktoren und Umständen zu dem entwickelt, was es heute ist. Und Moral war stets eine treibende Kraft (wenn auch nicht immer die stärkere), denn sonst hätte man sich nie auf überlebenswichtige Regeln in Gruppen und Verbänden einigen können. Die ganze Bibel, mit ihren Geschichten und Regeln ist ein einziges moralisches Standardwerk. Geschrieben als Geschichtsbuch und als Regelwerk zum Zusammenleben.
    Fleischessen war nie eine wichtige Komponente zur Entwicklung unseres Gehirns, oder warum ist dann der Omnivore Mensch und nicht der reine Fleischesser Krokodil oder Tiger die intelligenteste Spezies dieses Planeten? Und warum ist der 100% Veganer Gorilla einer der intelligentesten unter den nicht-menschlichen Tieren?
    Die Entwicklung des Gehirns und der Intelligenz ist ein eigenes sehr umfangreiches Forschungsgebiet und dieses hat es wirklich nicht verdient, dass du es mit deinen unzulässigen Verkürzungen und völlig unwissenschaftlichen Ergüssen beleidigst.

    „Fähigkeit des Empfindens von Schönheit im Geschmack, was niemand nachvollziehen kann, für den Essen eine reine Zufuhr von Nährstoffen ist, als auch das, was man „das Auge isst mit“ nennt.“

    Ja, richtig. Aber Veganer sehen eben auch mal hinter die Kulissen, was der Fleischesser ja gerne mal ausblendet. Also an einem in seiner eigenen Scheiße stehenden Schwein, dass dann mit Leidensgenossen zusammengepfercht kilometerweit zum nächsten Schlachthof gekarrt wird, um dort von einem unterbezahlten und im Akkord arbeiteten „Stecher“ mal mit mal ohne ausreichende Betäubung abgestochen zu werden und letztlich in einer Pampe aus Blut, Eiter und Eingeweiden sein zeitliches zu segnen, finde ich jetzt persönlich nichts sehr ansprechendes. Und niemand, der das mal richtig! gesehen hat, und diese Tatsache nicht mit einigem Aufwand ignoriert, kann doch an einem Steak oder ähnlichem tatsächlich etwas Ästhetisches erkennen, bei dem „das Auge mitisst“. Wohl ehr noch „bei dem man das Auge mitisst…“

    Aber ganz ab von Moral und Blut und Eiter.
    Es gibt wesentlich mehr Gründe, die über deine Apologie des Fleischessens weit hinausgehen.
    Gesundheit (WHO und so).
    Umweltzerstörung
    soziale Komponente
    Auswüchse des Kapitalismus

    Also wenn es mal wichtig war für den Menschen, dass er Fleisch isst. Weil er überleben musste und es nichts anderes gab, vor allem zu allen Jahreszeiten, dann kann es doch durchaus sein, dass diese Zeit einmal vorbei ist, oder? Und diese Zeit ist längst vorbei.
    Die einzige Frage die wirklich zählt ist doch: muss ich dieses oder jenes unbedingt tun, auch wenn es viele bekannte negative Folgen hat? Hängt mein Überleben davon ab?
    Die Antwort? Nein. Man muss kein Fleisch essen, so ziemlich jede Studie und Untersuchung bestätigen dies.
    Tu ich es aber trotzdem, obwohl es Tiere, Umwelt und andere Menschen (indirekt) schädigt?

    „Ihr könnt nicht mit einer Welt als Alternative argumentieren, die Ihr nicht kennt.“
    Das sag mal all den Bürgerrechtlern der vergangenen Jahrhunderte. Frauenwahlrecht? Bloß nicht! Der Untergang des Abendlandes!
    Abschaffung der Sklaverei? Wie soll es dann bloß weitergehen, wenn wir die Arbeiter tatsächlich für ihre Arbeit bezahlen müssen?

    Niemand kennt die Welt von morgen und trotzdem forschen und arbeiten gerade im Augenblick Millionen Menschen daran, diese Welt zu schaffen. Ein wirklich sehr sehr schwaches und von einigen Zukunftsängsten geprägtes Argument.

    Das Fleischessen wird sich reduzieren. So (gaaaanz) langsam kommen die Leute drauf (siehe Umweltschutzplan der Bundesregierung, da war das weniger Fleischessen sogar mal kurz mit drinnen). Die Mächtigen dieser Erde wissen schon lange, was die Uhr geschlagen hat. Die UNO, die WHO die Weltvereinigung der Ernährungsexperten etc. pp. Die Multi-Millarden-Dollar-Fleischindustrie bremst natürlich. Die Bauernlobby bremst und deswegen geht es leider unendlich langsam voran. Aber es geht voran. Die Änderungen werden also nicht von heute auf morgen kommen und die ganze Welt ins Chaos stürzen. Du kannst also noch mal in Ruhe ein Schnitzel essen und über alles Geschrieben nachdenken.

    Tschö.

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